Die Methodenfalle | Wenn Ablehnung zur Identität wird

14. Oktober 2024

Thema: Widerstandsmuster

In agilen Transformationen wird Widerstand oft als inhaltliche Kritik an der Methode missverstanden. Ein prägnantes Beispiel lieferte ein Teilnehmer, der freiwillig die Rolle des Scrum Masters übernahm, nur um unmittelbar darauf das Daily und die Retrospektive für überflüssig zu erklären. Die erste Diagnose lag nahe: Ein klassischer Abwehrmechanismus gegen neue, agile Prozesse.

Die tatsächliche Dynamik wurde erst durch den Kontextwechsel sichtbar. Die Verweigerung beschränkte sich nicht auf die methodische Ebene, sondern setzte sich beim Kochen fort. Trotz fehlender Expertise wurden Kochvorgaben und Zutatenlisten kategorisch abgelehnt.

Diese Beobachtung entlarvt die Ablehnung als objektunabhängig. Es ging nicht um Scrum oder Agilität, sondern um eine tief verwurzelte Grundhaltung, die jeden äußeren Impuls als Bedrohung wahrnimmt. Der Widerstand dient hier nicht der Optimierung eines Prozesses, sondern der Stabilisierung des eigenen Egos durch Opposition. Für die Führung bedeutet das: Argumente für die Methode sind wirkungslos, da der Konflikt nicht auf der Sachebene, sondern in der Identität des Gegenübers verankert ist.

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