Das Dessert-Paradoxon: Wenn Unterforderung das Ergebnis kostet.
Thema: System-Effizienz | Status: Insights-Analyse #01
In der Scrumkitchen zeigt sich regelmäßig ein Phänomen, das in der klassischen Organisationsberatung oft unterschätzt wird: Das Scheitern an der vermeintlichen Einfachheit.
Die Illusion der Kontrolle
In meinen Scrum Cooking Workshops agiere ich in der Rolle des Product Owners. Das Team entschied eigenmächtig, das Planning und die Dailies zu streichen. Die Begründung: „Die Aufgaben sind zu simpel, das behalten wir im Kopf.“ Da mein System zur Aufgabenverteilung diesem Team ein mathematisch leichtes Pensum zugewiesen hatte, schien das Risiko gering. Kapazität und Kompetenz waren hoch – ein klassisches High-Performance-Szenario.
Zu einfach und doch nicht da
Das Ergebnis: Die Hauptgänge standen pünktlich, doch das Dessert fehlte komplett. Durch das bewusste Opfern des Sprint-Backlogs verlor ich als Product Owner die Übersicht über die User Stories und deren Fortschritt. Ohne diese Artefakte gibt es keine laterale Führung auf Augenhöhe, sondern nur noch Vermutungen. Das Fehlen der Struktur führte nicht zu Schnelligkeit, sondern zu einem blinden Fleck in der Koordination.
Systemdiagnose: Warum „einfach“ gefährlich ist
- Struktur-Erosion: Wo Aufgaben einfach erscheinen, wird die Methodik zuerst geopfert. Das ist die Illusion der Überlegenheit.
- Transparenz-Verlust: Ohne Abbildung am Board bleibt das Scheitern unsichtbar. Man merkt erst, dass ein Inkrement fehlt, wenn der Gast vor einem leeren Teller steht.
- Dysfunktionale laterale Führung: Führung ohne Datenpunkte ist Blindflug. Wenn das Team die Transparenz verweigert, entzieht es der Führung die Basis für rechtzeitiges Feedback.
Vom Herd in den Arbeitsalltag
Im Agile Leadership Lab nutzen wir genau diese Szenarien, um die Wirkung von Führung und Feedback in Echtzeit zu spiegeln. Erleben Sie selbst, wie Strukturverlust die laterale Führung beeinflusst – und wie Sie durch Klarheit gegenzusteuern.
